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Territorien am Oberrhein um 1500

Territorien am Oberrhein um 1500 Vergrößern

Erläuterungen zur Karte

Professor Tom Scott (Universität Liverpool) hat dem Oberrhein und somit dem Elsass zahlreiche wichtige Arbeiten zum Spätmittelalter und der Frühen Neuzeit gewidmet. Darin analysierte er die verschiedenen Arten des gegenseitigen Austausches, die Märkte, die Routen, wozu vor allem die großen und kleinen Städten den Impuls gaben (vgl. die Karten zu „Städte und Märkte am Oberrhein“, „Verbreitungsbereich des Rappen“ im Historischen Atlas des Elsass). Die Karte, die diesbezüglich in seinem Werk über die regionale Identität (1) zu finden ist, scheint den Historikern, die sich mit dem Elsass beschäftigen, vertraut zu sein: Es handelt sich um ein komplexes Gefüge aus Besitzungen geistlicher (Bischof von Straßburg, Abt von Murbach) und weltlicher Fürsten (Fleckenstein, Ribeaupierre (Rappoltstein),…), aus Städten (Straßburg, Colmar,…) und religiösen Institutionen (Deutscher Orden, Marmoutier (Maursmünster), …). Außerdem ist es das Ergebnis eines langen Prozesses, der von der Konkurrenz um die Bewirtschaftung reicher Gegenden (Weinberge, Wälder) und von zahlreichen Klostergründungen geprägt war. Am Übergang vom Mittelalter zur Neuzeit lässt sich im Elsass das damals europaweit starke Phänomen der Territorialisierung, d.h. die Bildung räumlich verankerter Staaten kaum feststellen. Nur den Habsburgern gelang es, für den südlichen Teil und an beiden Ufern des Rheins, bis zu einem gewissen Grad räumlich zusammenhängende Besitzungen zu beherrschen.. Grund hierfür war die Tatsache, dass sie durch ihre Rechte als Landgraf aber auch durch weitere Rechte sehr mächtig waren. Ab 1324 fügten sie ihren Besitzungen das Erbe der Ferrette (Pfirt) hinzu. Die Äbte von Murbach, die Herren von Ribeaupierre (Rappoltstein, die Württemberger, der Bischof von Straßburg, die Hanau-Lichtenberg oder die Stadt Straßburg bauten nach und nach ihr jeweiliges Territorium auf oder sorgten für dessen Erhalt, indem sie eine effiziente Verwaltung einrichteten und eine entsprechende Politik führten. Obgleich die anderen Fürsten und Herren wie etwa die Rathsamhausen, der Herzog von Lothringen oder die Ochsensteinüber keine so große Macht verfügten, , spielten sie eine nicht weniger wichtige Rolle auf der politischen Bühne.

Die vorliegende Karte kann nur ein sehr schematisch statisches und arbiträres Bild sein. Einerseits entwickelte sich die territoriale Situation mit der Zeit und hing von den dynastischen und familiären Entwicklungen, von Konflikten und Kriegen ab. Andererseits liefern die Archive, wenn es sie noch gibt, Kartenmaterial, das hinsichtlich der geographischen Genauigkeit nur unzureichend ist. Schließlich und vor allem erlaubt die Art der Herrschaft, die meist auf im Raum verstreuten Rechten basierte, lediglich eine schematische kartographische Darstellung. Eine bestimmte Zahl von Häusern konnte wegen ihrer schwachen Herrschaft nicht dargestellt werden, obgleich sie eine wichtige politische Rolle spielten (Andlau, Hattstatt).

Das territoriale Mosaik des Oberrheins und vor allem des Elsass’ bietet dem Leser des 21. Jahrhunderts ein erstaunliches Paradoxon: Ohne modernen Staat (ohne Hauptstadt, ohne Herr – der Kaiser ist selten zugegen) weist das Elsass dennoch einen gewissen Zusammenhalt („Identität“) auf. Dies zeigt sich in der Lebensweise, der Sprache, den Gedanken, der Architektur und dem Zusammenleben.

Die Bibliographie kann nur eine Auswahl bieten und beschränkt sich auf einige Territorien, die um 1500 Teil des elsässischen „Mosaiks“ sind

  • (1) SCOTT Tom, Regional Identity and economic change. Upper Rhine 1450-1600, Oxford, 1997.
  • MÜLLER Peter, Die Herren von Fleckenstein im späten Mittelalter. Untersuchungen zur Geschichte eines Adelsgeschlechts im pfälzisch-elsässischen Grenzgebiet, Stuttgart, 1990 (Geschichtliche Landeskunde, 34).
  • JORDAN Benoît, Entre la gloire et la vertu. Les sires de Ribeaupierre, 1451-1505, Straßburg, 1991 (Société Savante d’Alsace et des régions de l’Est. Coll. « Textes et documents » Bd. XLIV).
  • MENGUS Nicolas, Les sires d’Andlau (fin XIIe-début XVIe siècles). Un lignage noble au temps des châteaux forts, Straßburg, 2000 (Société Savante d’Alsace et des régions de l’Est. Coll. « Textes et documents » Bd. 66).
  • BISCHOFF Georges, Recherches sur la puissance temporelle de l’abbaye de Murbach (1299-1525), Straßburg, 1975. 

Odile Kammerer, 2009

Übersetzung: Harald Sellner