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Städte und Märkte am Oberrhein bis ca. 1500

Städte und Märkte am Oberrhein bis ca. 1500 Vergrößern

Erläuterungen zur Karte

Das Aufkommen der Städte, das sich über mehrere Jahrhunderte hinzog, hat in der Forschung immer wieder eine Frage aufgeworfen, die weiterhin noch offen bleibt. Ab wann kann man von Städten sprechen? Mit dem Datum der erhaltenen Freiheit, ab dem Bau der Stadtmauer, sobald eine dichte Bevölkerung vorzufinden ist, oder sich verschiedene wirtschaftliche Aktivitäten nachweisen lassen, etc.? Welche Kriterien definieren eine Stadt? Die fünf Kriterien, die Hektor Ammann in den dreißiger Jahren des 20. Jahrhunderts aufgestellt hat, oder die 56 Kriterien, die 2004 von einer Forschergruppe aus Trier um Professor Alfred Haverkamp erarbeitet wurden? Tom Scott schlägt einen Ansatz vor, der alle Städte (große, kleine Städte, Zwergstädte, junge, alte Städte) in ihrer jeweiligen politischen und wirtschaftlichen Dynamik, ihren Friedensbündnissen, ihrem Geld- und Gerichtswesen betrachtet; diese Dynamik umfasst ebenfalls die befestigten burgi und Märkte. Der Oberrhein bietet, wie man auf der Karte sieht, ein dichtes urbanes Netz, vor allem auf dem linken Rheinufer. Auf einer Distanz von 150 km von Norden nach Süden bildet eine Gruppe von 89 Orten ein wahres Netz von Städten, das von den Kaisern, Fürsten oder der jeweiligen Einwohnerschaften errichtet wurde. Die beträchtliche Zahl von errichteten Städten am Fuß der Vogesen und eine Zunahme der Städtegründungen ab 1350 ist sichtbares Zeugnis für den Nutzen, der aus dem Weinhandel und all den damit verbundenen Tätigkeiten gezogen wurde. Im Elsass sinkt dagegen die Zahl der neu gegründeten Märkte gegen Ende des Mittelalters, während sie am rechten Rheinufer steigt. Dort wurden diese Gründungen vor allem vom niederen Adel, den Fürsten, den Habsburgern und den Markgrafen von Baden angeregt. Die Funktion der Märkte tritt besonders in Hinblick auf das ganze Wirtschaftssystem zu Tage. Ihre Lage erlaubt es ihnen nämlich, eine Art Bindeglied zu den außerhalb der Gegend gelegenen Wirtschaftsräumen zu sein. Die Dichte des urbanen Netzes beweist nach Tom Scott, dass es sich dabei um eine ganz andere Organisation handelte, als jenes zentralistische System, das nach der Theorie von Christaller die Orte, die um ein städtisches Zentrum gelegen waren, in konzentrischen Kreisen um dieses herum verteilt und ihre Bedeutung mit der zunehmenden Entfernung von diesem Zentrum abnehmen lässt.

 

Bibliographie

  • SCOTT Tom, Regional Identity and economic Echange. The Upper Rhine 1450-1600, Oxford, 1997.
  • HIMLY François-Jacques, Atlas des villes médiévales d'Alsace, Nancy, 1970 (Publications de la Fédération des Sociétés d'histoire et d'archéologie d'Alsace, 6).
  • METZ Bernhard, "Essai sur la hiérarchie des villes d'Alsace (1200-1350)", in Revue d'Alsace 128 (2002), S. 49-53.
  • Karte entnommen aus:SCOTT Tom, "Kleine Städte, keine Städte. Das so genannte "urbane Netz" in Südwestdeutschland im ausgehenden Mittelalter", in KNITTLER Herbert (Hg.), Minderstädte - Kümmerformen - gefreite Dörfer. Stufen zur Urbanität und das Märkteproblem (Beiträge zur Geschichte der Städte Mitteleuropas, 20), Linz 2006, S. 181-202.

 

Beitrag von Odile Kammerer, 2008

Übersetzung: Harald Sellner