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Der Verbreitungsraum des Rappen (14.-15. Jahrhundert)

Der Verbreitungsraum des Rappen (14.-15. Jahrhundert) Vergrößern

Erläuterungen zur Karte

Nach der Karolingerzeit, deren Währung auf Gold basierte, wurden gleichzeitig zwei Zahlungssysteme benutzt, um auf die Weiterentwicklung im Bereich des Handels zu reagieren: zum einen eine virtuelle Verrechnungswährung, die eine Wertskala darstellt, bei der ein Pfund 20 Schillinge und 240 Denare wert ist; zum andern die reelle Währung für den täglichen Gebrauch. Das Recht, Geld zu schlagen, d.h. Geldstücke herzustellen, gehörte dem Herrscher. Dieses Regal wurde aber oft durch ein Privileg an weltliche oder geistliche Herren oder an Städte abgegeben. Im Elsass schlugen die Fürstbischöfe von Straßburg und Basel Geld. Die Städte konnten dieses Privileg erhalten haben, setzten es aber nicht immer in die Praxis um. Die in den unterschiedlichen Werkstätten hergestellten Münzen stellten also verschiedene Währungssysteme dar und machten die unterschiedlichen Transaktionen und vor allem jene in unmittelbarer Nähe sehr kompliziert. Die Geldwechsler, die auf Märkten und Messen professionell hinter ihren Bänken standen, kannten die Merkmale der Münzen (Gewicht, Typen) und ihre Mängel. Nachdem sie zunächst dafür sorgten, dass das Umtauschen von Geld möglich war, wurden sie schließlich zu Bankiers, die fähig waren, für ihre Klienten Zahlungen an anderen Orten und zu anderen Zeitpunkten vorzunehmen. Das Wirtschaftswachstum war in den Regionen Europas, die mit dem Orient Handel trieben und vor allem im Rheintal zwischen Italien und Flandern spürbar. Dies hatte zur Folge, dass die Währung entsprechend den zu tätigenden Geschäften angepasst werden musste: einerseits durch das Schlagen von großen Münzen aus Silber und dann aus Gold, die einen starken Wert besaßen (der rheinische Florin oder Gulden, um den florentiner Gulden nachzuahmen, wurde 1387 von den rheinischen Kurfürsten angenommen); andererseits durch Münzabkommen für bestimmte Gebiete. Auf dem Spiel stand der öffentliche Friede. Das Oberelsass, das wirtschaftlich durch das Geld aus Basel geprägt war, wurde Schauplatz von mehreren Abkommen (Rappenmünzbund 1403) zwischen Basel, Breisach, Colmar, Freiburg im Breisgau und dem Hause Österreich, um den Rappen in einem immer größer werdenden Raum als allgemeine Zähleinheit anzunehmen (1387, 1425 auf der Karte). Aber der Handel nahm nicht immer den offiziellen Tarif an, ganz zu schweigen davon, dass es einen intensiven Umlauf ausländischen Geldes, eine Verteuerung des feinen Silbers und Konflikte gab: Die Münzbündnisse hatten nicht lange Bestand!

Bibliographie

  • SCOTT Tom, Regional Identity and economic Echange. The Upper Rhine 1450-1600, Oxford, 1997.
  • HANAUER Charles-Auguste, Études économiques sur l'Alsace ancienne et moderne, Bd.1, Les monnaies, Paris-Straßburg, 1876.
  • RAPP Francis, Les origines médiévales de l'Allemagne moderne. De Charles IV à Charles Quint (1346-1519), Paris, 1989.

Karte entnommen aus; SCOTT Tom, Regional Identity and economic Echange. The Upper Rhine 1450-1600, Oxford, 1997.

 

Odile Kammerer, 2005

Übersetzung: Harald Sellner