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Die wichtigsten Rheinübergänge im Mittelalter

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Erläuterungen zur Karte

Vor den durch den badischen Ingenieur Johann Gottfried Tulla (1817-1876) initiierten Kanalisierungsarbeiten, verlief der Rhein über 150 Kilometer zwischen Basel und Straßburg auf mehreren Kilometern Breite und bildete dabei zahlreiche Seitenarme, Inseln, Halbinseln und Auen. Anstatt dass der Rhein die Menschen fernhielt, zogen seine Ufer Gemeinschaften an, die den Reichtum des Flusses nutzten: Weiden, die bewaldeten Inseln, Fischerei und Jagd, Gemüseanbau, Handel und natürlich das Gold. Die Breite und die Veränderungen des Haupt- und der Nebenarme des Rheins erlaubten es nicht, Brücken zu bauen. Sie wären entweder im Frühjahr bei der Schneeschmelze durch das treibende Eis oder im Sommer durch die starken Strömungen, die durch Unwetter verursacht wurden, zerstört worden. Nur drei Brücken konnten an engeren Stellen des Flusses errichtet werden: Basel (1225), Kleinkembs und Istein (aus römischer Zeit), Breisach (1283) und Straßburg (1388). Die Brücken sind aber nicht unabdingbar, um den Rhein zu überqueren, zumal ihr Bau und ihr Erhalt äußerst teuer waren und sie einen Schwachpunkt in der Verteidigung darstellten. Im Mittelalter war die Benutzung von Fähren (Fara) eine geläufige Praxis. Da der Rhein keine Grenze darstellte und die Dorfgemeinschaften auf beiden Seiten des Flusses Land besaßen, waren Flussüberquerungen einfach. Die Quellen erwähnen auch „Passagen“: Je nach Jahreszeit kann es sich dabei um Fuhrten oder um trockene Fußübergange (Ottmarsheim, Neuenburg, Sponbeck auf dem Gebiet von Jechtingen „Übergang am Fuße der Burg“), um Bootsbrücken oder sogar um Wege über das Eis (Übergang der Germanen im Dezember 406) handeln. Die Überquerung des Rheins war für die Menschen, die sehr nah zum Wasser lebten, … auf die Gefahr hin, überschwemmt zu werden, eine alltägliche Angelegenheit (vgl. die Karte der Überschwemmungen in: Das Elsass und seine Gefahren, Neuzeit). Die großen Handelsrouten, die Italien mit Flandern und dem Pariser Becken verbanden, übernahmen die alten römischen Straßen, die auf Distanz dem Rhein entlang folgten, um ihn bei Basel und Straßburg zu überqueren. Die Straße, die vom Rhône-Tal herkam, überquerte den Rhein bei Kembs.

Bibliografie

  • KAMMERER Odile, „La Haut-Rhin entre Bâle et Strasbourg a-t-il été une frontière médiévale? in Les pays de l’entre –deux au Moyen Âge, éditions du C.T.H.S., 1990, S. 171-193.
  • SCOTT Tom, Regional Identity and Economic Exchange. The Upper Rhine 1450-1600, Oxford, 1977, S. 28.

Odile Kammerer, 2011