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Die Diözese Basel (15. -17. Jahrhundert)

Erläuterungen zur Karte

Die beiden hier abgebildeten Karten der Diözese Basel waren als Anhang der Edition des „Amtstagebuchs“ des Thomas Henrici (1597-1660), des Generalvikars und späteren Bischofs von Basel vorgesehen.[1] Sie wurden unter der Mitarbeit des Autors von den beiden Kartographen, Frau Marie-Claude Maître und Herrn Jean-Philippe Droux, auf den neuesten Stand gebracht.

  1. Das Bistum Basel und das Hochstift vor der Reformation (1441/1515)[2]

Der Bischof von Basel stand nicht nur an der Spitze des gleichnamigen Bistums, sondern war zugleich ein Fürst des Heiligen Römischen Reichs deutscher Nation. Die erste Karte bietet eine allgemeine Übersicht der Lage des Bistums und ihrer Unterteilungen in Landkapitel und Dekanate. Sie zeigt aber zugleich die Unterscheidung zwischen dem Gebiet, das der geistlichen Gerichtsbarkeit des Bischofs unterstellt war und dem bischöflichen Hochstift. Ihre Grenzen stimmen nicht miteinander überein. Das Territorium des Bischofs (auf Französisch „l’évêché“: Dieser Begriff wurde von den Historikern aus dem Jura oft verwendet, um die weltliche Herrschaft zu bezeichnen) umfasste den heutigen Kanton Jura, den Berner Jura und einen Teil des Kantons Basel-Land, aber auch einige Enklaven am rechten Rheinufer (Schliengen, Istein, Binzen). Diese Gebiete waren nicht alle Teil des Bistums Basel, sondern gehörten zum Teil zu benachbarten Bistümern: Besançon (Porrentruy), Lausanne (Berner Jura und Biel) und Konstanz (Schliengen).[3]

  1. Das Bistum Basel in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts[4]

Die zweite Karte, auf welcher die Verhältnisse des Bistums Basel in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts dargestellt sind, legt ein besonderes Augenmerk auf die Gebiete des Bistums, die ganz oder zum Teil reformiert waren.[5]

Im Norden des Bistums, handelt es sich vor allem um Mulhouse (Mülhausen), die elsässischen Gebiete des Herzogtums Württemberg, Colmar, Ribeauvillé (Rappoltsweiler) etc.[6] Im Süden des Bistums sind es neben der Stadt Basel und deren Territorium die Gebiete der heutigen Kantone Basel-Land (Sisgau), Aargau (Frickgau), Bern (Buchsgau und Salisgau) und der Berner Jura (Priorat von Moutier-Grandval (Münster-Granfelden)).

Die nachfolgenden Fußnoten sollen einige kurze zusätzliche Angaben bieten, die in Bezug zum schweizerischen oder später schweizerisch gewordenen Teil des Bistums Basel stehen.[7] Vor allem auf diesen Teil bezogen sich die Berichte, die Thomas Henrici in sein „Amtstagebuch“ oder in das Directorium geschrieben und übertragen hatte: seine Visitationen in den Pfarreien der Landkapitel des Buchsgau, des Leimental, des Sisgau, des Frickgau und des Salisgau (Salignon) in den Jahren zwischen 1634-1641. Wegen der politischen Lage konnte er erst 1642 den „elsässischen“ Teil der Diözese besuchen. Seine Berichte über die Pfarrer und den Zustand der Pfarreien dieser Region sind sehr allgemein gehalten. Von ihnen wird hier daher nicht die Rede sein.

  1. Die Orte Allschwil, Gempen, Hochwald, Hüningen[8] und Oberwil gehörten bis zur Reformation zu den „sieben freien Dörfern“ oder zu den „vagantes extra civitatem Basiliensem“. Nachdem sie protestantisch geworden waren, kehrten ab 1534 die Orte Gempen SO und Hochwald SO wieder zum alten Glauben zurück. Der erste gehörte zu Dornach SO, der zweite zu Seewen SO. Die im Amt Birseck gelegenen Orte Arlesheim BL, Reinach BL, Oberwil BL, Ettingen BL, Allschwil BL und Therwil BL waren 1525 evangelisch geworden und kehrten alle bis spätestens 1627 zum katholischen Glauben zurück. Den Impuls dazu gab Bischof Jakob-Christoph Blarer von Wartensee, der diese „Rückeroberung“ 1581 begonnen hatte. Zu dieser Zeit wurde der katholische Gottesdienst auch wieder in den Ämtern von Pfeffingen und Zwingen (Laufen BL) eingeführt.[9]

Als Thomas Henrici 1635 und in den folgenden Jahren diesen Teil der Diözese visitierte, gehörten alle Orte dieser Ämter zum Kapitel oder zum Dekanat von Leimental.

  1. Sisgau und Frickgau:[10] Im Sisgau wurde die Pfarrei Büren SO, die die Reformation für kurze Zeit zwischen 1530 und 1531 angenommen hatte, dem Kapitel von Leimental zugeschlagen – ebenso Seewen und Sankt Pantaleon SO. Wegen ihrer geringen Zahl wurden die Pfarreien, die in diesem Kapitel katholisch geblieben waren – Augst [Kaiseraugst AG], Möhlin AG, Magden AG, Zeiningen AG und Rheinfelden AG – Frickgau zugeschlagen, um fortan nur noch ein Kapitel zu bilden, das Sis- und Frickgau.[11] Erst ab dem 20. April 1660 gehörte Kienberg SO zum Kapitel Buchsgau. Zur Zeit Henricis wurde die Pfarrei von Rheinfelden als exempt angesehen; ihr Pfarrer nahm also nicht an den Kapitelversammlungen teil.[12]
  2. Im Buchsgau wurden drei Pfarreien des Berner Amts von Bipp evangelisch: Bannwil BE, Nieder- und Oberbipp BE. Im Laufe des 16. Jahrhunderts wurden diesem Kapitel dagegen zwei neue Pfarreien angegliedert: Welschenrohr SO, das 1569 zur Pfarrei aufstieg und Erlinsbach, eine Pfarrei des Frickgau (von der ein Teil protestantisch wurde), die 1571 zum Buchsgau hinzukam.[13]
  3. Auf dieser zweiten Karte werden einige Orte angeführt, weil sie im Directorium mehrmals genannt werden: die Marienwallfahrtsorte Trois Epis und Mariastein; die Orte Arlesheim und Oensingen, auf deren Gebiet die Burgen von Birseck und Bechburg lagen – an diesen Orten residierten der Bischof und sein Generalvikar häufig – ; religiöse oder weltliche Einrichtungen, die ihren Sitz außerhalb der Diözese hatten, dort aber das Patronatsrecht über einige Pfarreien (Beuge, Säckingen, Schönenwerd, Solothurn) inne hatten. Außerdem hat man die Stadt Freiburg im Breisgau hinzugefügt. Sie war der Sitz einer Universität, deren Kanzler der Bischof von Basel war und an der Thomas Henrici zwischen 1623 und 1632 unterrichtet hatte. In Freiburg verbrachte dieser schließlich die letzten Jahre seines Lebens, bevor er dort 1660 starb.

 

Jean-Pierre Renard, 2007

Übersetzung: Harald Sellner

 

[1]Thomas Henrici (1597-1660). Le journal « raisonné » d’un vicaire général du diocèse de Bâle dans la première moitié du XVIIe siècle. Band I. Allgemeine Einleitung und französische Übersetzung von Jean-Pierre Renard ; deutsche Übersetzung von Patrick Braun. Band II. Texte ediert und kommentiert von Jean-Pierre Renard, Fribourg: Academic Press, 2007. Hier zitiert als : Henrici, Directorium.

[2] Diese Karte übernimmt beinahe im Ganzen die des Archives de l’Ancien Evêché de Bâle (AAEB), die sich selbst wiederum an der in der Helvetia Sacra (HS I/1, 1970, S. 316-362 : Die Karten des Bistums Basels) erschienenen Karte orientiert. Der Vorlage aus dem AAEB, die den Akzent auf den Kanton Jura und den Berner Jura (die Grenzen der Herrschaften etc.) legt, wurde durch zahlreiche Orts- und Flussnamen ergänzt.

[3] Vgl. auch eine weitere Karte auf der Internetseite des AAEB mit dem Titel : « Das Fürstbistum Basel vor der Französischen Revolution ».

[4] Die Fertigstellung dieser Karte muss noch vorgenommen werden, nicht nur was das Elsass anbelangt (Grenzen der Dekanate etc.), sondern auch hinsichtlich der Kantone Basel-Land, Aargau und Solothurn. Man müsste zudem besonders den Lauf bestimmter Flüsse eintragen: so zum Beispiel die Siggern, welche die Grenze zwischen dem Bistum Basel und Lausanne darstellte (vgl. Henrici, Directorium II, S. 31-32), oder den Erzbach, der nach der Reformation zur politischen und konfessionellen Grenze zwischen Solothurn und Bern wurde (vgl. unten).

[5] Sie orientiert sich an einer Karte aus dem 18. Jahrhundert mit dem Titel: « Bistum und Hochstift Basel vor der Revolution », (AAEB, Homepage). Eine genauere Beschreibung der Gegebenheiten am Ende des 16. Jahrhunderts liefert auf der Internetseite des « Historischen Atlas des Elsass » die Karte mit dem Titel « Protestantische Territorien im Elsass zur Zeit der größten Ausbreitung des Protestantismus (um 1590) ».

[6]Vgl. Anton Schindling und Walter Ziegler [Hgg.], Die Territorien des Reichs im Zeitalter der Reformation und Konfessionalisierung. Land und Konfession 1500-1650, Bd. 5, Der Südwesten, Münster 1993 (Katholisches Leben und Kirchenreform im Zeitalter der Glaubensspaltung, 53).

[7] Im ersten Teil seines Directorium (I, S. 15-48), liefert Henrici einen Abriss über den Zustand des Bistums im Jahre 1633. Er hat um 1634-1635 auch eine Liste der Pfarreien der Diözese angefertigt, die auf den lückenhaften Informationen basierte, die er diesbezüglich sammeln konnte (Directorium I, S. 49-72). – Für die Jahre 1620-1626 vgl. auch den « Catalogus omnium parochiarum, sacellaniarum, nec non monasteriorum, et aliorum beneficiorum in decanatibus ruralibus totius Basiliensis dioecesis » (AAEB, A 67/1), der zum Teil von Paul Stintzi [und Laurent Freyther], Les paroisses du diocèse de Bâle en 1620, in AEA 19, 1949/50, S. 211-230 veröffentlicht wurde (Dieser Aufsatz beschäftigt sich einzig und allein mit den elsässischen Pfarreien und enthält zahlreiche Fehler bei der Transkription).

[8] Die Pfarrei von Hüningen (Huningue-Village-Neuf, Département Haut-Rhin, Frankreich), wurde 1529 evangelisch, wird aber 1623 wieder katholisch (Kapitel Inter Colles).

[9]Wilhelm Brotschi, Der Kampf Jakob Christoph Blarers von Wartensee um die religiöse Einheit im Fürstbistum Basel (1575-1608), Freiburg/Schweiz 1956 (Studia Friburgensia, N.F. 13) ; Hans Berner, Gemeinde und Obrigkeit im fürstbischöflichen Birseck. Herrschaftsverhältnisse zwischen Konflikt und Konsens, Liestal 1994 (Quellen und Forschungen zur Geschichte und Landeskunde des Kantons Basel-Landschaft, 45).

[10] Über die Pfarrei von Leuggern und die Kontroverse bzgl. ihrer Eingliederung in die Diözese Konstanz vgl. Henrici, Directorium II, S. 94-95.

[11] Vgl. Henrici, Directorium I, S. 38 : « N.B. Capituli Sisgaudiae parochiae, quia paucae sunt, Frickgaudiae et Leimenthalensi unitae sunt » ; Ders., 49-51. Vgl. auch den Catalogus von 1620-1626 : « Subdivisio decanatus Sis<gaudiae> cuius minima pars catholica et <…> unum capitulum cum decanatu Frickgaudiae efficit », der 21 Pfarreien des Sisgau nennt, « quae a fide defecerunt et ab haereticis occupatae <sunt> ». – Im Catalogus von 1620-1626 steht, dass im Frickgau immer noch, « Basilienses usurpant parochias tres … Bernenses parochias 11 ».

[12] Vgl. Henrici, Directorium I, S. 263-264. Vgl. auch Catalogus 1620-1626 : « Reinfelden non comparet in capitulo »

[13] Zur Pfarrei von Erlinsbach gehörten die Dörfer von Niedererlinsbach (mit der Pfarrkirche Sankt Nikolaus) und Obererlinsbach ; durch letzteres floss der Erzbach, der nach der Reformation zur politischen und konfessionellen Grenze zwischen Solothurn und Bern (Aargau seit 1803) wurde (es handelt sich um die heutigen Gemeinden von Erlinsbach SO und Erlinsbach AG). Vgl. Henrici, Directorium I, S. 136 : « qui pagus media ex parte ditionis Bernensis est et praedicantem habet, qua vero parte catholicus est, quoad temporalia Solodorensibus paret », und II, S. 106 : « quia medius pagus per torrentem divisus haereticus est » (1637).