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Die Zisterzienserabtei Lützel/Lucelle und ihre Besitzungen vom 12. bis 14. Jahrhundert

Erläuterungen zur Karte

Die Lokalisierung der Güter von Lützel, die im Zinsbuch von 1299 erwähnt sind

Von den 15 Zinsbüchern des im Departemental-Archiv Haut-Rhin (Oberelsass) aufbewahrten Bestands der Abtei von Lucelle, darf jenes von 1299 als Hauptstück gelten. Während der Revolution verschollen, fand es im 20. Jahrhundert auf außergewöhnliche Weise wieder in den Bestand zurück. Das Zinsbuch ist ein aus 72 folios bestehender Kodex. Es bezieht sich auf die Güter, die die Abtei in Ajoie, im Sornegau (Delsberg-Tal), im Birstal, in und um Basel (und auch in Südbaden) und im Sundgau (Luttertal, Sundgau des collines, Altkirch und Umgebung und das Gebiet der ehemaligen Grangie von Moos) verpachtet hatte. Die verzinsten Güter sind auf 131 Orte aufgeteilt. Neben Courcelles werden sieben weitere Orte auf folio 65 erwähnt: Kienzheim, Sundheim (Rufach), Sennheim/Cernay, Schweighausen/Schweighouse, Dammerkirch/Dannemarie, Steinbach und Thann. Es handelt sich dabei um die Orte, an denen Bruder Heinrich von Roelingen zwischen 1290 und 1299 Güter erworben hat. Diese Güter befinden sich in der Nähe der Grangien von Steinbach-Birlingen und Erbenheim.

Die verpachteten Güter um die Grangie von Erbenheim 1270/ 1287/ 1297

Um 1270 hat Lützel an sieben Orten um die Grangie von Erbenheim (Oberaspach/Aspach-le-Haut, Michelbach, Hohen Roden, Leimbach, Thann-le-Château (Tanne castro), Erbenheim (Erbehein) und Niederaspach/Aspach-le-Bas) 73 Zinspflichtige. 1287 haben die Zisterzienser ein dutzend Zinspflichtige mehr. Zehn Jahre später erhalten sie von 84 Personen den Zins, davon 51 in Thann. Der Zins wird vorwiegend für verpachtete Weinberge entrichtet. 1297 werden die Abgaben immer noch in der Grangie von Erbenheim eingezogen.

Die verpachteten Güter im Zinsbuch von 1268

Das Zinsbuch von 1268, das ältesten aus Lützel überlieferte Zinsregister, ist ein Rotulus, der in vertikaler Richtung zu entrollen ist. Der Rotulus ist 76 cm lang und 13,5 cm breit. Beide Seiten des Pergaments wurden beschrieben. Die 1268 erwähnten Zinsen sind nicht gleichmäßig auf 21 Orte und die Grangie der Abtei in Muttersheim verteilt. Es handelt sich um Mülhausen, Rixheim und Eschelsheim, Niffer, Riedisheim, Leibersheim, Altkirch, Füllern/Fulleren, Aspach, Tagsdorf, Tagolsheim, Roggenhausen/Roggenhouse, Münchhausen/Munchhouse, Muttersheim, Ensisheim, Hirzfelden, Hirzbach und Aberch.

Lokalisierung der Güter in Südbaden (12.-14. Jahrhundert)/ in und um Basel

Die Einrichtung eines Stadthauses in Basel ist auf die Zeit zwischen 1156 und 1179 zu datieren. Man hat keinerlei Indizien, die es erlauben würden, eine genauere Datierung vorzunehmen. Eine Bulle von 1180 bestätigt diesen Besitz. 1194 wird das in Basel gelegene Haus der Abtei von Lucelle im Zusammenhang mit den Weinbergen in Haltingen auf dem rechten Rheinufer, etwas flussabwärts der Stadt, zitiert. 1268 erhält Lucelle Güter in Ettingen. 1299 hat die Abtei in mehreren anderen Orten um die Bischofsstadt herum Besitzungen. In Rheinfelden, Ötlingen und Efringen, zwei Dörfer auf dem rechten Rheinufer, in Grellingen, Witterswil und Therwil. Die Abtei besitzt auch Güter in Binningen, Hüningen/Huningue und in Kleinbasel. Später hat sie zudem Besitz in Blansingen, Binzen, Wyhlen, Muttenz und Gempen.

Grangien, Keller, Stadthöfe und Salinen um 1224

1224 besitzt die Abtei 17 Grangien. Zu dieser Zeit kann man drei Zonen unterscheiden, in denen Grangien eingerichtet wurden. Die erste liegt um Liebvillers im Haut-Doubs und war für alle Kulturen geeignet. Die zweite besteht aus sechs im Jura verstreuten Einrichtungen (in Ajoie und um die Abtei herum). Eine dritte Zone besteht ebenfalls aus sechs Einrichtungen nahe Sennheim/Cernay (Ochsenfeld) und in der Ebene und eignet sich für speziellere Kulturen (Weinberge, Leinenproduktion, Getreide). Zu den im Jura gelegenen Grangien kommen noch fünf terrae – zweitrangige Ländereien – hinzu, die nahe der Abtei gelegen waren und in Eigenbewirtschaftung betrieben wurden (Bourrignon, Charmoille, Fregiécourt, Oberlarg und Lumeswiller). Zwei [1] weitere Grangien, die isoliert im Oberelsass gelegen waren, vervollständigen die Reihe. Es handelt sich um das Weingut in Hattstatt, das drei Tagesmärsche nördlich in einem Weinberg lag, der für die Qualität seiner Weine bekannt war, die Grangie von Moos, die Dank der Grafen von Pfirt/Ferrette im Tal der Larg/Largue eingerichtet wurde. Zu jenen auf dem Land gelegenen Grangien kommen auch noch die Stadthöfe in Basel, Mülhausen, Altkirch hinzu und wohl auch schon Sennheim/Cernay und die Salinen im Haut-Doubs.

Die Besitzungen Lützels um 1140

Aus der Urkunde von 1136 ist ersichtlich, dass der Grundstock der Besitzungen in zwei Bereiche gegliedert werden kann: Der erste umfasst den Ort Lützel, loco qui Lucela dicitur und die anliegenden Güter. Die Gesamtheit dieser Ländereien bildete den Kern des nahe der Abtei gelegenen Besitzes. Außerhalb dieses Gebiets führt die Urkunde eine Hufe in Miécourt und ein Allod in Cornol, bei Ajoie an. Die Abtei hat auch Güter im Delsberg-Tal, in Montavon und Montsevelier erhalten. Der zweite Teil der Besitzungen, die in der Urkunde Erwähnung finden, liegt im Pays-Comtois, in der Flussbiegung des Doubs, zwischen Saint-Hippolythe und Pont-de-Roide. Sein Zentrum ist Liebvillers. 1139 besaß Lucelle folgende Güter: der Besitz um die Abtei mit den Ländereien von Arsis, Pertuis, von Cumba Reculi und dem Wald von Chas. Das ganze wird fortan unter dem Namen „Ort Lützel“ subsummiert. Es werden sodann unter dem Begriff Hof die Besitzungen von Charmoille, Corno, Montavon, Montsevelier und Liebvillers angeführt. Seit 1136 zählen drei weitere Höfe dazu, nämlich der von Dorenhus im Sundgau, nord-östlich von Spechbach-le-Haut, der von Mutersheim und der von Hattsatt.

Die Mühlen von Lützel (13.-14. Jahrhundert)

1299 besitzt Lützel ungefähr 25 Mühlen. Neben den Mühlen der Grangien, wie zum Beispiel die von Attenschweiler/Attenschwiller, Winkel, Moos, Erbenheim und sogar Enweiler/Enwiller, haben die Zisterzienser sich damit begnügt, Mühlen oder Teile von Mühlen zu erwerben. Der mittelalterliche Mühlenbestand von Lützel war aber dennoch beträchtlich. Man schätzt, dass es sich um 28-30 Mühlen handelte. Die des Haut-Doubs verschwanden aber schon bald (1239 und 1242).

Die Lokalisierung der Grangien von Lützel im 12., 13. und 14. Jahrhundert

Lützel hatte 26 Grangien und auf dem Land gelegene Keller. Die Gesamtzahl variierte aber über die Zeit hinweg. Einige von ihnen hatten nur kurze Zeit Bestand. Bure wird nur ein einzige Mal erwähnt. Es ist manchmal schwierig, Gründungen zu datieren, denn die Quellen, d.h. Bestätigungsurkunden, päpstliche Privilegien und königliche Urkunden, liefern gemeinhin nur die erste Erwähnung. Zwei Grangien im Haut-Doubs und vier Grangien der Ajoulote wurden in der ersten Zeit der Abtei gegründet. Zu den Grangien muss man zwei oder drei Salinen in Sankt-Pilt/Saint-Hippolyte, in Soulce und in Valoreille hinzufügen, an deren Spitze ein grangiarius (Vorsteher der Grangie) stand. Damit steigt die Zahl der ländlichen Einrichtungen auf 29. Sie ist durchaus hoch und vergleichbar mit anderen Zisterzienserabteien, die große weltliche Besitzungen hatten. Alle bis auf jene von Eschelsheim-Rixheim wurden vor 1200 gegründet. Die Zahl der Stadthöfe beläuft sich auf acht.

Handschriftliche Quellen:

  • Departementalarchiv Haut-Rhin[2] . Bestand der Abtei von Lützel (10H).
  • Archiv des ehemaligen Bistums Basel. Bestand der Abtei (B240).
  • WALCH Bernardin, Miscellanea Lucellensia, 2 in quarto Handschriften, Universitätsbibliothek Basel, H 1 / 29 und 29a, Handschriften, 1749 und 1753.
  • Ders., Apophasis Lucellensis, ebd. H1 /30.

Gedruckte Quellen

  • TROUILLAT Joseph, Monuments de l’histoire de l’ancien Evêché de Bâle, Porrentruy, 1852-1857, 5 Bde.

Bibliographie

  • CHERVRE André, Histoire d’une ancienne abbaye cistercienne, Delémont 1973.
  • MUNCH Gérard, Économie et patrimoine d’un monastère cistercien, Lucelle aux XIIe, XIIIe et XIVe siècles, thèse de doctorat soutenue à l’université de Strasbourg, le 9 novembre 2010.

 

Gérard Munch, 2010