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Die Orte, die in der Chronik des Straßburger Kanonikers Jakob Twinger von Königshofen erwähnt werden (1382-1415)

Les lieux mentionnés dans la chronique du chanoine strasbourgeois Jakob Twinger de Königshofen (période 1382-1415) Vergrößern

Erläuterungen zur Karte

Jakob Twinger von Königshofen (†1420) war ein Kanoniker am Thomasstift in Straßburg und der Autor einer deutschsprachigen Chronik, die wohl im Auftrag des Rats von Straßburg entstand. An diesem Werk, das die Universalgeschichte (Kaiser und Päpste) mit der Lokalgeschichte (Bistum und Stadt Straßburg) verbindet, arbeitete er ungefähr zwischen 1382 und 1415. Heinrich Schoppmeyer war der Meinung, dass die in der Königshofener Chronik erwähnten Ortsnamen den Horizont der zeitgenössischen Einwohner Straßburgs widerspiegeln. Deshalb hat er zwei Karten erstellt und analysiert, die diese Orte lokalisieren und reich an Erkenntnissen sind. Natürlich gilt die größte Aufmerksamkeit des Chronisten dem Umland Straßburgs und nicht dem Elsass als solches. In der Tat, scheint sich Königshofen nur wenig für den nördlich von Straßburg gelegenen Teil des Elsass interessiert zu haben. Nach Süden hin gilt seine Aufmerksamkeit aber besonders zwei Linien: zum einen die elsässische Weinstraße nach Molsheim und Thanvillé (Thannweiler); zum andern der Lauf der Ill. Die Orte, die sich zwischen diesen beiden Linien befinden, werden weniger häufig genannt. Nach Norden hin finden die Orte Erwähnung, die die Straßen nach Saverne (Zabern) und Haguenau (Hagenau) umreißen. Kurzum, Königshofen interessiert sich für die straßburger Handelsrouten und nicht für das Elsass als solches, denn dieses war zu dieser Zeit noch keine Einheit und trug noch keine eigene Identität. Für den Straßburger, der nur sehr wenig auf Lothringen und Frankreich zu sprechen kommt, markieren die Vogesen im Westen eine wirkliche Grenze. Der Schwarzwald im Osten spielt, wenngleich in geringerem Maße, eine entsprechende Rolle.

Einer anderen Linie gilt die Aufmerksamkeit des Chronisten: die Rheinachse von Basel nach Köln. Auch hier spiegelt Königshofen getreulich die Wirtschaftsbeziehungen seiner Stadt wider, welche im Zentrum dieser Haupthandelsstrecke lag. Schließlich zeigt der Chronist auch noch großes Interesse für die Schweiz – er berichtet lange über die Kriege der Schweizer Städte gegen die Habsburger –, was vielleicht dadurch erklärt werden kann, dass sie dem Elsass als Kornspeicher diente. Denkbar wäre aber auch, dass dadurch die Solidarität ausgedrückt wird, die ein Bürger einer freien Stadt – oder die von Königshofen angesprochenen Leser – gegenüber anderen Städten, die für ihre Unabhängigkeit kämpften, empfand.

Quelle

Heinrich Schoppmeyer, « Zur Chronik des Straßburgers Jakob Twinger von Königshofen », in Historiographia mediævalis. Festschrift für Franz-Josef Schmale, Darmstadt, Wissenschaftliche Buchgesellschaft, 1988, S. 283-299.

 

Olivier Richard, 2009

Übersetzung: Harald Sellner