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Die elsässischen Gerbereien zu Beginn des 19. Jh. (1811-1813)

Die elsässischen Gerbereien zu Beginn des 19. Jh. (1811-1813) Vergrößern

Eigenschaften

Autor und Institut Nicolas Stoskopf, UHA (CRESAT)
Historische Zeiträume Neuzeit
Themen Handwerk und Industrie
CartographeA. Cartereau, J.P. Droux, AHA
SkalaAlsace
Entstehungsdatum2010
Datum der letzten Änderung2011
QuelleCarte originale
Diese Karte zitierenNicolas Stoskopf, « Die elsässischen Gerbereien zu Beginn des 19. Jh. (1811-1813) », in Atlas historique d'Alsace, www.atlas.historique.alsace.uha.fr, Université de Haute Alsace, 2011

Erläuterungen zur Karte

Die elsässischen Gerbereien zu Beginn des 19. Jh. (1811-1813)

In der vorindustriellen Zeit war das Gerben von Leder im Elsass weit verbreitet. Im Departement Bas-Rhin/ Unterelsass zählte man 233 Gerbereien (214 bis 1815), im Haut-Rhin/ Oberelsass 125 (102 nach 1815). Da die Felle und die Gerberlohe lokal beschafft wurden, hatten die Großbetriebe keine entscheidenden Produktionsvorteile. Weiter verstärkt wurde dieses Nebeneinander von kleinen und großen Betrieben durch einen Erlass aus dem Jahr 1759. Mit diesem wurden die obligatorische Markierung der Felle sowie eine Steuer auf das gegerbte Leder eingeführt. Dies verstärkte die Beschaffung von Fellen und Gerberlohe in der Region, die Suche nach geeigneten Orten für Gerbereien an Wasserläufen sowie die Weiterentwicklung der Technik.

Dies alleine kann jedoch nicht erklären, weshalb das Bas-Rhin/ Unterelsass im Kaiserreich von den 75 statistisch erfassten Departements das mit den meisten Gerbereien war. Während der Revolution und des Kaiserreichs war das Elsass der wichtigste Lieferant von Leder für die Armee. Auch wurden im Elsass die gesamten Felle verarbeitet, welche durch die Präsenz einer Armee anfielen. Darüber hinaus sorgte die Blockade dafür, dass der elsässische Markt nicht mehr mit Waren aus England versorgt werden konnte. Diese überaus konkurrenzfähigen Produkte waren nach dem Handelsvertrag von 1786 auf dem elsässischen Markt aufgetaucht. Die Gründung vieler Gerbereien zu Beginn des 19.Jh. kann damit auch als Folge der Blockade und der damit fehlenden Konkurrenz bezeichnet werden. Die Struktur der Gerbereien in Straßburg verdeutlicht diese Tatsache: Im Jahr 1812 waren die Hälfte der Straßburger Gerbereien weniger als 15 Jahre alt.

Ein weiterer Grund für die Popularität der Gerbereien im Elsass war der institutionelle Aufbau dieses Wirtschaftszweiges, welcher traditionellerweise in vielen kleinen Handwerksbetrieben organisiert war. Genauso wie beispielsweise das Müller-, das Brauerei- oder das Ziegeleihandwerk wurden die Gerbereien meist von Patrons lutherischer Konfession geleitet.

Im Second Empire begann die Mechanisierung der Gerbereien, die sich in der Folge zu großen Industriebetrieben entwickelten. So beschäftigte etwa die Gerberei Herrenschmidt in Straßburg im Jahr 1867 350 Arbeiter. Zeitgleich waren erste Zusammenschlüsse von Unternehmen in diesem Wirtschaftszweig zu beobachten. So reduzierte sich die Zahl der Gerbereien im Bas-Rhin/ Unterelsass bis ins Jahr 1866 auf 135. Mit der Einführung des Gerbens mit Chromsalzen durch die Firma Adler-Oppenheimer in Lingolsheim im Jahr 1889 beschleunigte sich diese Entwicklung. Die traditionellen Gerbereien verschwanden und die verbliebenen Unternehmen konzentrierten sich auf wenige Standorte.

Die räumliche Verteilung der Gerbereien zwischen Bas-Rhin/ Unterelsass und Haut-Rhin/ Oberelsass illustriert die unterschiedlichen Ausprägungen der Industrialisierung in den beiden Departementen. Im Bas-Rhin/ Unterelsass entwickelten sich die Gerbereien genauso wie andere kleine Industriebetriebe wohingegen sich im Haut-Rhin/ Oberelsass die Textilindustrie besser entwickelte. Auf der Karte wird deutlich, dass sich die Gerbereien mit Vorliebe in den urbanen Gebieten niedergelassen haben: Große Städte zählten die meisten Unternehmen, dann folgten die mittleren Städte und dann die großen Dörfer. In den Städten wiederum konzentrierten sich die Unternehmensstandorte dieses umweltschädlichen Industriezweigs auf ganz bestimmte Stadtteile. Es entstanden Gerberei-Quartiere, welche teilweise auf mittelalterliche Traditionen zurückgingen. Zwei Beispiele hierfür sind das Quartier „Petite France“ in Strasbourg oder das Gerberviertel in Colmar. Auffallend ist auch, dass die Topografie Einfluss auf die Entwicklung der Gerbereiquartiere hatte. Die Gerbereien entwickelten sich in den Städten am besten, wo die Flüsse mit dem Abwasser der Gerbereien nicht direkt durch das Stadtzentrum flossen. Als Beispiel können hier Wasselonne/Wasselnheim an der Mossig oder Pfaffenhoffen an der Moder genannt werden, wo die stark verschmutzen Flüsse unterhalb der Stadt bzw. nur am Stadtrand entlang flossen.

Nicht nur die Lage der Flüsse hatte Einfluss auf die Entwicklung der Gerbereien, sondern auch die Nähe zum Wald und zu großen Ebenen mit einem erleichterten Zugang zu Gerberlohe und Fellen. So waren auch die Ausläufer der Vogesen beliebte Standorte für Gerbereien. Als Beispiel kann die Stadt Barr genannt werden, welche im 19.Jh. mit ihren 22 Gerbereien zu einem Industriezentrum mit überregionaler Bedeutung wurde. Im Jahr 1866 waren ein Drittel aller Gerbereien in Straßburg oder Barr angesiedelt; insgesamt zwei Drittel der Arbeitskräfte waren im Bas-Rhin/ Unterelsass beschäftigt.

Quellen und Methode: 

Enquête industrielle et manufacturière, 1812, ADBR XIII M 7 ; enquête sur la situation économique et les établissements industriels, 1811-1813, ADHR 9 M 6, complétée par l’enquête sur les établissements industriels de 1825-1827, ADHR 9 M 8. En effet, dans le Haut-Rhin, l’enquête de 1811-1813 est manifestement lacunaire, ne mentionnant que 76 établissements (limites de 1815) contre 102 dans une enquête contemporaine par arrondissement (ADHR 9 M 16) ; la comparaison avec l’enquête de 1825-1827 montre que les tanneries manquantes se situent dans les arrondissements de Colmar (18 établissements dans 6 localités) et de Mulhouse (6 dans 5 localités). Pour les arrondissements de Delémont et Porrentruy, on ne sait si les établissements sont réellement concentrés au chef-lieu ou si, comme c’est plus probable, la répartition communale manque.

Bibliografie:

  • DEPORS (Henri), Recherches sur l’état de l’industrie des cuirs en France pendant le XVIIIe siècle et le début du XIXe siècle, Paris, 1932, p. 127-132
  • STOSKOPF (Nicolas), La petite industrie dans le Bas-Rhin, 1810-1870, Strasbourg, Editions Oberlin, 1987. 

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